Freitag, 22. Oktober 2010

Wooah, Zugriffszahlen wie von einem anderen Blog!

Heißa, nachdem die letzten Gäste (später als gedacht, aber jede Minute willkommen) gegangen waren, zeigte mir die Ehefrau, daß Kopfhobby mich zum Geburtstag prominent verlinkt hat. Und Quartalsstrickerin auch noch. Das hat mir Zugriffszahlen beschert, die mein mathematisches Vorstellungsvermögen beinahe überschreiten. Nun, dieses Momentum muß man also abgreifen und Inhalte nachlegen. Und auf die Schnelle geht das nur damit, was hier sonst weniger vorkommt: Privates!

Also, Geschenke gab es:










Letztes Bild ist vom Sohn gemalt. Eine Polizeistation, deren blau-weiß gestreiftes Schild darauf zurückzuführen ist, daß der Mann in der Station Schalke-Fan ist.

Ferner habe ich noch ein Probe-Abo des Freitag bekommen, und ein Geschenk ist noch in der Zulieferung. Wenn ich gewollt hätte, dann hätte ich bestimmt noch eine Eintrittskarte hierfür bekommen:


Allan Holdsworth und John Scofield an einem Abend, da muß eigentlich jeder hin, der sechs Saiten abzählen kann und schon mal seine Nase in eine Musikmagazin gesteckt hat (wer die beiden nicht kennt, soll die Namen mal bei youtube eingeben). Früher wäre ich allein wegen Steve Lukather dahingefahren, aber irgendwann wächst man aus der Phase raus. Joscho Stephan, den muß ich erstmal googeln.Vielleicht spare ich mir den sogar. Andererseits ist Musik von den beiden älteren Herren nicht gerade zum Mitpfeifen, und wenn man nicht von der Stimmung mitgerissen wird, könnte der Abend auch seine Längen haben. Also, das werde ich noch ein wenig in meinem Kopf hin- und herschieben.

Morgen geht es in den Ketteler Hof, den allerletzten Öffnungstag des Jahres erleben und dem großen Sohn eine Freude bereiten. Davon wird man aber wahrscheinlich bei Kopfhobby und der Quartalsstrickerin lesen können, deswegen werde ich in meiner Bearbeiten-Liste stöbern und irgendetwas zum Thema Leitkultur, Horst Seehofer, oder dem Kopfstoß von Zinedine Zidane (mit einer Brücke zu einem tagesaktuellen Thema) schlagen. Und die Henrietta Lacks-Geschichte ist auch noch nicht ausgeschöpft. Oder finden Sie es angemessen, daß jemand als außergewöhnlicher Mensch geehrt werden sollte, weil seine Körperzellen geholfen haben, Krankheiten zu bekämpfen? Ich hab eine Idee: Wünschen Sie sich doch einfach, wozu ich zuerst schreiben soll. Oder schlagen mir was vor. Vom Untergang des Abendlandes bis zum Fernsehprogramm kann was in der Wundertüte drin sein. Bis dann.

Montag, 18. Oktober 2010

Blöde Aktualisierungseinstellung

Weiß jemand, wie man bei Blogger.com die Posts in der Bearbeitungsschlange anders datieren kann? Ich habe nämlich gestern einen neuen Post eingestellt, rutsche aber bei Frau Kopfhobby, von der ein großer Teil meiner Leserschaft stammt, nicht weiter nach oben. Wie soll man bei dieser Technik trotz weltenschwerer Inhalte zur Geltung kommen?

Also, bitte noch meine Hela-Zellen-Geschichte lesen.

Nachtrag: Hat sich erledigt: Man kann von Hand das Datum einstellen.

50 Millionen Tonnen Stammzellen - etwas viel

Vor ein paar Tagen hörte ich einen interessanten Beitrag im Radio über Krebszellen, die einer Frau vor etwa sechzig Jahren entnommen wurden und seitdem weiter wachsen. Man hat sie damals nicht gefragt, und mit Hilfe dieser Zellen wurden Mittel gegen Kinderlähmung entwickelt, zur Forschung wurden sie bei unzähligen anderen Krankheiten eingesetzt. Nun kam eine Zahl: alle gezüchteten Zellen hätten ein Gesamtgewicht von 50 Millionen Tonnen.

Ich bin mathematisch ziemlich schwach auf den Beinen, aber ich versuche schon, Größenordnungen zu erfassen, und es ärgert mich, wenn dafür andauernd unpassende Einheiten gewählt werden. Wenn z.B. bei Ölkatastrophen andauernd von Litern geredet wird, dann bläht das die Zahl zur Beschreibung der Gesamtmenge unnötig auf, ohne daß die Menge dadurch leichter vorstellbar wird. Tonnen oder Kubikmeter wären hier besser geeignet.

Da ich mir nicht sicher war, ob ich die Zahl richtig verstanden hatte, setzte ich mich kurz an den Rechner und googelte etwas herum. Bald fand ich heraus, daß der Beitrag eine Buchvorstellung gewesen war, es ging um "Die Unsterblichkeit der Henriette Lacks" von Rebecca Skloot. In der verlinkten Rezension kommt die Zahl noch einmal vor, ich nehme also an, daß sie aus dem Buch stammt.

Nun handelt es sich bei diesen Zellen um Laborbedarf, nicht um Rohöl oder Kies, was in Tankern, Güterzügen oder LKWs transportiert wird. Aber wenn diese Zellen doch so wichtig sind und in ganz vielen Labors benutzt werden, dann braucht man vielleicht doch ziemlich viel davon. Nun, um es kurz zu machen und nicht jeden gedanklichen Zwischenschritt hier zu verwursten:

Es handelt sich um menschliches Gewebe, also um Fleisch. Fleisch ist schwerer als Wasser, ein Schnitzel schwimmt nicht, Knochen ist , glaube ich, leichter, Haare auch, aber für die kurze Überschlagsrechnung kann man die Dichte dieser Körperzellen gleich der von Wasser setzen. 50 Mio. Tonnen dieser Zellen entsprechen also 50 Mio. Kubikmetern Wasser. Wer da gerade schwächelt (jaja, so manches Personal aus einem Lehrerzimmer gerät jetzt schon ins Schwimmen, nicht nur beim Durchschnitterrechnen), ein Kubikmeter ist ein Würfel mit einem Meter Kantenlänge. Und der wiegt eine Tonne. Wenn ich diese Würfel alle aneinanderhänge, kommt eine Schlange von 50.000 Kilometern dabei heraus. Der Umfang der Erde beträgt etwa 40.000 Kilometer. Entspricht ja auch dem, was als weitere Erläuterung in dem Artikel steht: "Aneinandergereiht würden sie die Erde dreimal umspannen." Hätte da nicht etwas auffallen müssen? Kurz bei Wikipedia nachgeschaut: Menschliche Körperzellen sind zwischen 1 und 30 Mikrometer groß (ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter). Die weibliche Eizelle ist die größe Zelle mit bis zu 140 Mikrometern Durchmesser, sie ist so gerade noch mit dem Auge zu erkennen. Der Durchmesser eines Haares liegt im Mittel bei 70 Mikrometer. Mit meiner Rechnung kommt ich also auf einen dicken Ring, der die Erde dazu noch in einiger Höhe umrunden könnte, während der Autor des Artikels auf dreimal um die Erde kommt, allerdings in Form von drei hauchdünnen Fasern.

Aber um es noch klarer zu machen, und auch um meine eigene Denkschwäche nicht zu verschweigen: 50 Mio. Tonnen Körpergewebe entsprechen grob gerechnet 500 Mio. Menschen, die man daraus formen könnte, und zwar großen Menschen von 100 Kilogramm Gewicht. Ziemlich viele. 50 Mio. Tonnen, verteilt auf 60 Jahre, sind 830000 Tonnen pro Jahr. Jetzt verladen wir diese Menge mal auf LKW, von denen jeder 20 Tonnen Zuladung hat. 41500 LKW-Ladungen. An wieviele Labore weltweit soll das verteilt werden? Und jetzt verteilen wir eine LKW-Ladung in einem Labor auf Petri-Schalen und Objektträger, um sie unter Mikroskope zu legen. In einem Artikel steht: "Der Mediziner Christopher Lengauer öffnet ... einen seiner Gefrierschränke, wo HeLa in Tausenden zentimetergroßen Kunststoffgefäßen voller roter Flüssigkeit bei minus 80 Grad lagert." Ein Kubikmeter hat eine Million Kubikzentimeter, wie groß muß also ein Gebäude sein, um ...

Also, wer mit Hela-Zellen zu tun hat oder mit sonstigem Laborbedarf, der kann ja mal meine Zahlen auf Plausibilität überprüfen. Wäre natürlich peinlich, wenn ich der Depp wäre.

Was mir permanent passiert: Während ich schreibe, kommen mir neue Ideen und ich stöbere im Internet nach weiteren Fundstellen und Belegen. Und da finde ich die Seite einer Henrietta-Lacks-Stiftung, auf der diese Zahl erwähnt wird. Es wird sogar erwähnt, daß dies dem Gewicht von mehreren Empire-State-Buildings entspricht. Ich weiß nicht, was ein Empire-State-Building wiegt. Da ist zwar viel Stahl und Beton drin, aber auch viel Luft. Wenn ich meine 50 Mio. Zellen in die 50 Mio. Kubikmeter umrechne und daraus einen Würfel baue, dann komme ich auf eine Kantenlänge von etwa 340 Metern (dritte Wurzel aus 50000000). gegen diesen Würfel könnten sogar die Pyramiden einpacken (es sei denn, die Gizeh-P. hat einen bisher unentdeckten geräumigen Keller).

So, jetzt mach ich aber Schluß. Über die ganzen empörten Menschen, die finden, daß man Henrietta Lacks ein Denkmal errichten sollte, weil diese Zellen von ihr stammen, schreibe ich demnächst.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Feldhamsterverleih.de

Gerade lese ich bei Spiegel Online, daß eine erste Anzeige eingegangen ist, weil bei den Arbeiten an S21 der Umweltschutz nicht ausreichend beachtet wurde - der Juchtenkäfer ist nämlich bedroht. Ich kann nicht richtig einordnen, wie wichtig der Juchtenkäfer für das ökologische Gleichgewicht des Bahnhofs, der Stuttgarter Innenstadt oder gar Europas ist, aber ähnliche Vorgänge haben wahrscheinlich die Inspiration für diese Seite gegeben: www.feldhamsterverleih.de, wahrscheinlich die eleganteste Form der Verhinderung eines Bauvorhabens seit Zucker im Tank.

Für alle, deren Ironiedetektor dabei zwischen Reglosigkeit und Vollausschlag hin und her pendelt, hat jemand diesen erklärenden Artikel geschrieben.

Ich überlege allerdings gerade, wie sich das organisierte Verbrechen diese Idee zu nutze machen könnte. Wenn nicht sofort zehn Prozent der Bausumme in Form von inhaltsleeren Gutachten oder überflüssigen Dienstleistungen erhält, läßt sie zehn Feldhamster oder Hufeinsennasenfledermäuse frei. Wenn der Mafiosi keine Tiere anfassen mag, kann er natürlich auch ein paar alte Tonsacherben in die Baugrube schmeißen oder ein paar Schatten auf den Boden malen, die Hinweise auf ein mögliches Bodendenkmal geben. Warum bin ich bloß so skrupelbehaftet, das Geld liegt doch auf der Straße.


Donnerstag, 30. September 2010

Geistige Prüderie

Beim Bloggen hatte ich gerade den Begriff "Geistige Prüderie" mal gegoogelt, um nach Anregungen zu suchen: 3 Treffer, mehr nicht. Also wenn ich jetzt genug in anderen Blogs kommentiere und mit weiteren krummen Tricks meine Besucherzahlen in die Höhe treibe, dann kann ich noch die Urheberschaft an diesem Begriff reklamieren. Ich wollte das schon mal machen, als mir der Begriff "Personenstillegungen" eingefallen war. Das war noch Norbert Blüms Zeiten, als ältere Arbeitnehmer kündigen sollten und großzügige Übergangsregelungen in Anspruch nehmen konnten, um Arbeitsplätze für jüngere zu erhalten. Hat aber nicht geklappt. Damals gab es noch keine Blogs.

Hilfreiche oder nicht hilfreiche Literatur - und wovon man sich fernhalten muß

Eigentlich sitze ich ja gerade an einem anderen dicken Posting, das endlich mal die Sarrazin-Debatte und alles, was damit zusammenhängt, zusammenfaßt, abschließt und auf ein neues Niveau hebt bzw. hin zum eigentlichen Problem transzendiert, da kommt mir was anderes dazwischen, was auch schon auf Halde liegt, und da mache ich doch das mal schnell.

Also, was ich sonst selten mache, ist Videos bei Spiegel Online anschauen. Meistens lese ich Sachen lieber, da kann ich Passagen besser überspringen oder querlesen. Jedenfalls sprach mich dieses Mal die Überschrift "Matussek zensiert: Hilfreiche und weniger hilfreiche Literatur", und Matussek kam auf die Kanzlerin, die das Buch von Thilo Sarrazin als wenig hilfreich bezeichnet hat (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das ihre Worte waren, aber ich will jetzt nicht das Zitat durch zurückspulen überprüfen. In einem Text würde ich das noch machen."). Matussek ni8mmt diese ANregung jedenfalls auf, um noch andere Kataloge von Verlagen auf nützliche Literatur aubzuklopfen und stößt auf Amelie Fried in irgendeiner Literatursendung, wo sie das neue Buch von Martin Mosebach nicht mag, weil der Autor für ein konservatives oder gar rückwärts gewandtes Denken steht, und weil er in einem Verlag publiziert, der auch Autoren der angeblichen neuen Rechen herausbringt, und Amelie Fried deswegen gar njichts damit zu tun haben will.

Joh, und das scheint mir stellvertretend zu sein für eine neue Vorsicht im Denken, die man als geistige Prüderie bezeichnen könnte, jeder möglicherweise falsche Gedanke, der einem falsch ausgelegt werden könnte oder den eigenen Standpunkt und damit den Charakter ein ganz klein bißchen weniger eineineindeutig machen könnte, muß vermieden werden.
Vor etwa einer Woche stieß ich auf etwas ähnliches. Im Bundestag wollten Abgeordnete eine LAN-Party veranstalten, bei der Abgeordnete dann auch mal Gelegenheit haben sollten, Egoshooter und andere umstrittene Spiele auszuprobieren. Der Berliner Kurier, eine Boulevard-Zeitung, fand das aber wegen der gewalttätigen Inhalte unpassend. Ein Sprecher einer Initiative fand das im Hinblick auf die Vorbildfunktion von Abgeordneten nicht hinnehmbar. Das man manches aber auch mal ausprobieren muß, um mitreden zu können, das scheint nicht zu interessieren, wenn die Vorbildfunktion auf dem Spiel steht.

Wovon man sich auch immer distanzieren muß, sind Fernsehsendungen, die man kennt, selbst wenn man sie schrecklich findeet und entweder beim Zappen mal bemerkt hat, oder sie sich sogar einmal absichtlich angeschaut hat, um zu wissen, wie schlimm es ist.

Es gibt natürlich Dinge, hinter die man nicht wieder zurück kann, wenn man sie einmal ausprobiert hat, und was für den einen vollkommen normal ist, auch wenn es vielleicht eine Straftat ist, ist für andere schlicht nicht akzeptabel. Jeder kann das ja mal persönlich für sich beantworten, wenn es um Ladendiebstahl, einen Joint, einen Besuch im Puff oder ums Fremdgehen geht. Man muß auch nicht alles ausprobiert haben, um sich eine Meinung dazu zu bilden. Aber das geistige Fernhalten von nichtgenehmen Inhalten ist mir zu engstirnig.

Ich denke auch, daß man mittlerweile etwas mutiger werden muß, wenn es um kontaminierte Künstler geht. In der FAZ las ich gerade einen Artikel, der den Verlust des Stuttgartes Bahnhofs wegen seines gestalterischen Wertes beklagte, woraufhin ein Historiker ausführlich darlegte, daß sich der Architekt des Bahnhofs, Paul Bonatz, heftig an die Nazis rangeschmissen hatte und völkisch dachte. Mir fehlt es an Kriterien und an Zeit, das jetzt zu überprüfen, aber während ich das las, dachte ich mir nur: "Na und?" Ja, das ist kein Argument, aber ich wußte mir gerade nicht anders zu helfen, außer dem Vorschlag, dem Gebäude durch großzügige Wärmeisolierung zu einem zeitgemäßen und damit ungefährlichen Äußeren zu verhelfen.

Ich kann solch eine Vorsicht ein wenig nachvollziehen, wenn es darum geht, daß man Künstlern, die man strittig findet, kein Einkommen verschaffen will. Ich vermeide es tunlichst, die BILD-Zeitung zu kaufen. Und lesen will ich die auch nicht. Aber wenn ich irgendwo ein Exemplar einer Jungen Freiheit oder vom Neuen Deutschland finde, dann lese ich das natürlich, um herauszufinden, was da so an Unsinn drinsteht (oder auch nicht). Ich gehe lieber die Gefahr ein, ein paar Argumenten in diesen Zeitungen auf den Leim zu gehen, weil ich nicht schlau genug bin, als eine feige Reinheit der Gedanken aufrechtzuerhalten.

Ach ja, Matthias Matussek findet beim weiteren Stöbern in Verlagskatalogen noch Carl Schmitt beim Beck-Verlag, das geht dann ja schon gar nicht mehr, da kannAmelie Fried in Zukunft Bücher aus diesem Hause nur noch meiden.

Freitag, 24. September 2010

Harald Schmidt haut Ranga Yogeshwar in die Pfanne

Die erste Harald-Schmidt-Show nach der Sommerpause hat mich ja nicht gerade vom Hocker gerissen, aber der "Juden-Gag" (das Wort ist für meinen eigenen Geschmack etwas verkürzt, aber ich mag jetzt nicht länger nach besseren Worten suchen und warte, ob sich einer beschwert) war wirklich sehenswert. Falls jemand das überprüfen will: das Video dazu.

Aber zur Warnung: Ich hatte direkt nach Beginn des Ausschnitts mit Ranga Y. ein ganz starkes Gefühl des Fremdschämens, ich wand mich auf dem Sofa. Und die von Schmidt angekündigte Pointe gibt es auch nicht (an dem Punkt, als man das bemerkt, ist das Fremdschämgefühl auf dem Höhepunkt).